Es sei allerlei für die Nationalbibliothek zu ergattern, meinte Generaldirektor Paul Heigl im Jänner 1944 in einem Brief an einen Kollegen. So lässt sich der umfangreiche Bücherraub, der die Geschichte der Nationalbibliothek in Wien zwischen 1938 und 1945 prägte, in wenigen Worten umreißen. Die größte wissenschaftliche Bibliothek in Österreich und nach dem "Anschluss" im März 1938 drittgrößte im Deutschen Reich nutzte ihre dominierende Stellung in der Bibliothekslandschaft, um ihre Bestände mit Raubgut zu vermehren. Durch die Person des 1938 eingesetzten Generaldirektors und engagierten Nationalsozialisten Paul Heigl, durch seine vielen Verbindungen zum NS-Staat, gelangten im Zeitraum 1938 bis 1945 bis zu einer halben Million geraubte Bücher in die Bibliothek am Josefsplatz. Nach jahrzehntelangem Verschweigen der eigenen NS-Geschichte in offiziellen Bibliothekspublikationen wird hier erstmals die aktive Rolle geschildert, die die Bibliothek bei unrechtmäßigen Erwerbungen spielte. Der Bücherraub privater und institutioneller Bibliotheken im In- und Ausland kann dank des umfangreichen ÖNB-Archivs ausführlich dargestellt werden. Darüber hinaus werden die Bemühungen der Nationalbibliothek - sowohl in den Nachkriegsjahren als auch in jüngster Zeit - um die Ausforschung und die Restitution von geraubten Objekten dokumentiert. Diese Geschichte will aber nicht nur auf unrechtmäßige Zugänge fokussieren, sondern auch den Versuch unternehmen, den Alltag in der Bibliothek in der NS-Zeit einzufangen. Sie versteht sich als Beitrag zur bislang kaum behandelten Geschichte des Bibliothekswesens in Österreich in den Jahren 1938 bis 1945 und spiegelt gleichzeitig auch die politische Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert wider.
PressespiegelNach ´38 kehrte die Gestapo mit eisernem Besen zusammen, was für die Nationalbibliothek brauchbar war.
(Die Presse / Zeitgeschichte - Die Welt bis gestern)
Wilde Raubersg´schichten! Aber anders als bei redensartlich so bezeichneten erfundenen, prahlerischen oder hochstapelnden Erzählungen sind alle die hier ausgebreiteten Daten, Zahlen und Fakten - obzwar ebenfalls unglaublich - bis ins kleinste Detail durch Dokumente belegt.
(Literatur und Kritik, März 2008)
Analysiert wurden erstmals die Quellen der Bücherzuwächse, der Bibliotheksalltag; detaillierter Einblick wird auch in die jeweilige Sammlungsgeschichte in der NS-Zeit gegeben. Mit reichem, erstmals ausgewertetem Material wurde das Profil einer staatlichen Institution mit einem NS-Bibliomanen an der Spitze nachgezeichnet.
(www.science.ORF.at)
Anzuzeigen ist ein Wissenschaftskrimi, ...
(Süddeutsche Zeitung / Feuilleton)
Der nationalsozialistische Bücherraub hingegen, der sofort nach dem "Anschluß" einsetzte, ging über die Verhinderung der Kenntnis von Literatur jüdischer und politisch oppositioneller Autoren insofern weit hinaus, als auch der materielle Wert solcher Bibliotheken durchaus als Teil des "Arisierungs"-Raubzugs einkalkuliert war.
(Europäische Rundschau. Vierteljahresschrift für Politik, Wirtschaft, Geschichte 35. Jg., 2007/2 Frühjahr)
Fazit: Der bereits anlässlich der Präsentation des Buches im Prunksaal der ÖNB am 26. September 2006 zu hörenden Meinung, dass es sich um ein bibliotheksgeschichtliches Meisterstück handle, ist nichts hinzuzufügen.
(Bibliothek. Forschung und Praxis Jg., 31, 2007, Nr. 1)
Mit dieser fundierten Geschichte der damals drittgrößten Bibliothek im großdeutschen Reich liegt nun ein weiterer sehr wichtiger Beitrag zur Geschichte
der Bibliotheken während des Nationalsozialismus vor.
(Informationsmittel (IFB) 14 (2006), H. 2)
Die Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek 1938–1945 ist der Versuch, eine Periode der österreichischen bibliothekarischen Zeitgeschichte
darzustellen, die bisher aus bibliothekarischer Sicht kaum bekannt und daher auch einer umfassenden, selbstkritischen Aufarbeitung entzogen gewesen ist. Mit den Arbeitsergebnissen von Hall/Köstner und dem Endbericht der Provenienzforschung an der Österreichischen Nationalbibliothek sind die Voraussetzungen geschaffen, einen Diskussionsprozess in Gang zu setzen, der ganz gewiss auch andere österreichische Bibliotheken betreffen wird. Dabei werden notgedrungen auch Widersprüche erörtert werden müssen. Es ist an der Zeit, sich auf die Spurensuche zu begeben.
(Mitteilungen der VÖB - Vereinigung österreichischer Bibliothekarinnen & Bibliothekare 60 (2007) Nr. 1)
What makes the book so valuable, however, is its description of the large role that the National Library played in the confiscation of institutional and personal libraries from 1938 onwards, and in the redistribution or destruction of those Libraries books thereafter.
(Times Literary Supplement Vol. 5, No. 1, May 2007)
... beeindruckende, über 600 Seiten starke Geschichte ... beachtlicher Beitrag zur Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert.
(ZfBB Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 54. Jg., Heft 2, März / April 2007)
Frau Köstner und Herrn Hall fehlt es an der von der Ausbildung, Karriere und bibliothekarischen Berufszwängen geprägten Sozialisation. Das kommt der Darstellung zu Gute: Offen, ungeschminkt, angenehm lesbar und ohne das üblicherweise wissenschaftlichem Sprechen geschuldete Abstraktionsniveau wird damaliges bibliothekarisches Handeln direkt mit den Worten bezeichnet, die gemeint sind: als "Habgier" (Seite 208), "Raub" (Seite 286) und "Raffgier" (Seite 231), als "skandalös" (Seite 209), "hinterlistig" (Seite 209) und "unwürdig" (Seite 294).
(Forum Bibliothek und Information Heft 4 / 2007)
Nun war es aber gewiss nicht so, dass die Granden des größten österreichischen Gedächtnisspeichers in der Zeit des Nationalsozialismus passive Empfänger waren, sondern sie spielten bei der Aneignung von kulturellen Schätzen eine offensive Rolle.
(Die Presse / Wissenschaft in Österreich - Zeitgeschichte)
As Buch ist wunderbar geschrieben, so dass Ermüdungserscheinungen bei diesem kompakten Text und großem Umfang nicht eintreten können. ... Mit dieser ausgezeichneten Arbeit ist bewiesen, dass die NS-Zeit das dunkelste Kapitel in der über 600-jährigen Geschichte der NB ist. Durch diese Veröffentlichung ist die Mauer des kollektiven Schweigens gebrochen, eine Verdrängung der Ereignisse nicht mehr möglich.
(B.I.T. online - Zeitschrift für Bibliothek, Information und Technologie, Nr. 1 / 2007)
Pflichtlektüre.
(Wiener Zeitung / Gedruckt - gelesen)
Die spijt is nog vergroot door het feit dat het zo lang heeft geduurd voordat men daar zelf over wilde spreken en bereid was tot restitutie. Zo kunnen sommige boeken ook een ballast worden en kan het grote verlichting geven je van een deel ervan te ontdoen.
(Nederlands Dagblad)
Das Forschungsprojekt ist einzigartig, eben hat die Staatsbibliothek Berlin die Idee übernommen.
(KURIER / Kultur & Medien)
In einem wichtigen Punkt musste die bisherige Bibliotheksgeschichtsschreibung korrigiert werden: Es kam heraus, dass Bibliothekare nicht bloß Nutznießer waren, wenn jüdische Sammler und Gelehrte auf diese Weise beraubt wurden, sondern sich auch zielstrebig daran beteiligten. ... Ihre akribischen Untersuchungen müssen auch die Mitarbeiter in deutschen Bibliotheken beunruhigen.
(Stuttgarter Zeitung / Kultur)
Die Nutznießer von Vertreibung, Ausplünderung und Ermordung jüdischer Vorbesitzer kannten bei ihren Begehrlichkeiten keine Skrupel - offenbar handelten sie sogar besten Gewissens, weil zum Nutzen ihres Hauses.
(Die Welt)
Fazit: Der bereits anlässlich der Präsentation des Buches im Prunksaal der ÖNB am 26. September 2006 zu hörenden Meinung, dass es sich um ein bibliotheksgeschichtliches Meisterstück handle, ist nichts hinzuzufügen.
(Bibliothek. Forschung und Praxis 30. Jg., Nr. 3)
Hall: Wenn man die Akten liest, denkt man: Unter den Vertriebenen ist die Schenkungswut ausgebrochen. Keiner wollte seine Sammlung komplett zurück haben. Jeder wollte der NB etwas schenken.
(Der Standard / Wissenschaft)
Hall: Es ist die Geschichte einer Institution, die Teil des nationalsozialistischen Systems war und von diesem System stark profitiert hat, etwa durch Bücherraub oder unredliche Erwerbungen. Die NB wurde von diesem System aber auch instrumentalisiert.
(anzeiger. Zeitschrift des Hauptverbands der österreichischen Buchhändler Nr. 10 / 2006)