Auf Basis seiner damaligen Aufzeichnungen schildert ein Akteur der politischen Wende von 1989 die Ankunft der DDR im neuen alten Deutschland im 41. Jahr ihres Bestehens. "Erste erfolgreiche deutsche Revolution" werden die Ereignisse jenes Herbstes genannt. Allerdings wird heute fast immer aus der Sicht des 3.10.1990 über sie berichtet, ihr nationales Moment wird so überzeichnet. Anderes wurde vergessen. Wir wissen heute vieles über die Ausreisenden und die großen Demonstrationen des Herbstes, weniger bekannt ist der Mythos vom "41. Jahr", der vom Traum von einer anderen DDR erzählt, die wirklich demokratisch wäre, und von denen, die sich dafür engagierten. Die Geschichte wird aus der Sicht eines der Beteiligten erzählt. Dieter Segert, Politikwissenschaftler und Osteuropaexperte an der Universität Wien, gehörte damals zu einer SED-Basisgruppe an der Humboldt-Universität. Er zeigt anhand von Ereignissen und Aktivitäten, dass ohne diese Reformer aus der Staatspartei der Wandel des Systems anders verlaufen wäre. Die alte DDR war eine Diktatur, aber wie funktionierte sie? Politisch wurde sie vor allem von der Zustimmung der Mitgliedschaft der SED getragen. Der friedliche Wandel wurde erst möglich, als sich auch die SED-Basis von den Parteioberen zu lösen begann. Von den vergessenen Reformern des 41. Jahres zu erzählen, lässt den demokratischen Pioniergeist jener Zeit entdecken. Die Geschichte des Wandels der Humboldt-Universität zwischen 1989 und 1991 kann auch als Lehrstück für demokratische Emanzipation in schwieriger Zeit verstanden werden. Univ. Prof. Dr. Dieter Segert Dieter Segert, geb. 1952 in Salzwedel (DDR), Studium in Berlin und Moskau, gearbeitet u. a. in Bath, Prag und Bonn, seit 2005 als Politikwissenschaftler mit Osteuropaschwerpunkt an der Universität Wien. Publikationen bei BöhlauDer DonauraumDer Donauraum Jg. 49/1-2, 2009 PressespiegelDas Buch gewährt einen intensiven Einblick in das Innenleben eines DDR-Intellektuellen mit explizit systemimmanentem Veränderungsanspruch. (Deutschland Archiv) Behalten wollte er die DDR, aber anders. Seine Version vom Ende des zweiten deutschen Staates hat man so noch nicht gelesen. [...] erzählt glänzend und authentisch. [...] Larmoyant oder nostalgisch ist der Ton nicht, der Autor kommt locker, manchmal melancholisch, oft ironisch, immer erhellend einher. (DIE ZEIT / Literatur - Politisches Buch) Dieter Segert beschreibt von innen heraus sehr selbstkritisch und offen die einzelnen Phasen dieses Prozesses, insbesondere auch die Niederlagen, die er erleiden mußte. Aufgrund dieser reflektierten Haltung hat das Buch auch nichts von einer späten Abrechnung an sich, sondern ist zu einer spannenden Geschichte dieses "41. Jahres der DDR" geworden. (SWR 2 / Buchkritik) Die Bemühung um die Aufrechterhaltung persönlicher Integrität unter nicht leicht vorstellbaren Bedingungen wird in sehr persönlichen, aber auch kritisch reflektierten Erinnerungen überzeugend dargestellt. Ebenso die Illusionen und Erfahrungen unmittelbar vor der Wende, die einen spannenden Bericht über Versuche darstellen, sich aus selbst verschuldeter Unmündigkeit zu befreien. (Die Presse / Spectrum) Dieter Segert ist Studiogast bei Wolfgang Ritschl (ORF Radio - Ö1 / Kontext) |