'Verliere ich auch nie die Erinnerung an mich selbst …“. Ihrer gewohnten Umgebung entrissen, blieb den Patientinnen psychiatrischer Anstalten oft nicht viel mehr als ihre Erfahrungen und Erinnerungen, ihr Wissen und ihre Kompetenzen – die Praktiken, die sie erlernt hatten und die ihnen vertraut waren. Anhand von Krankenakten und Selbstzeugnissen (textile Arbeiten, Zeichnungen, Briefe, Objekte) aus der Sammlung Prinzhorn geht Monika Ankele in ihrem Buch den oft ephemer erscheinenden alltäglichen Handlungsweisen von Patientinnen psychiatrischer Anstalten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach. Mit dem Fokus auf Raumaneignungen, auf Formen der Selbstgestaltung, auf Essverhalten oder Arbeitsgewohnheiten zeigt sie, welcher Stellenwert den Alltagspraktiken nicht nur im Blick der Ärzte zukam, sondern welche Bedeutung sie für die Patientinnen – für die Bewältigung des Bruchs, der mit dem Eintritt in eine Anstalt erfahren wurde – einnehmen konnten. Fanden Werke von PsychiatriepatientInnen lange Zeit ausschließlich im Bereich der Kunstgeschichte Beachtung, so werden sie in dieser kulturwissenschaftlich ausgerichteten Studie an Fragen der Alltags- und Psychiatriegeschichte herangeführt. Zugleich ermöglicht der praxistheoretische Ansatz, der dem Buch zugrunde liegt, die Patientinnen als Akteurinnen, als Handelnde und Reagierende in den Vordergrund treten zu lassen. Links: http://www.stiftadmont.at/deutsch/museum/museum/prinzhorn.phphttp://www.univie.ac.at/Geschichte/Neuverortung-Geschlechtergeschichtehttp://www.gendercampus.chDr. Monika Ankele Monika Ankele, geb. 1978, Studium der Geschichte in Graz, Wien, Berlin; Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Cultural Studies, Gender Studies, Alltagsgeschichte, Psychiatriegeschichte; 2005 bis 2008 Doc-Team Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit Gudrun Ankele und Astrid Peterle; 2006 Gast-Kollegiatin am Graduiertenkolleg „Körper-Inszenierungen“ (FU Berlin); 2008 Junior Fellow am Institut der Wissenschaften vom Menschen (Wien); arbeitet als Künstlerin („Schwestern Brüll“) und Kunstvermittlerin. 2009 Lehrbeauftragte an der Universität Wien; arbeitet als freie Wissenschaftlerin. 2009 wurde Monika Ankele mit dem Käthe Leichter-Preis für Frauen- und Geschlechterforschung und mit dem Doc.Award 2009 der Stadt Wien (Kulturabteilung/Wissenschaft) ausgezeichnet. Pressespiegel[N]eue Antworten auf die Frage, warum Kunst von Außenseitern fasziniert. (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Die differenzierte Lesart der Autorin sensibilisiert für jene einzelnen Schicksale. Und dieser Weg taugt nicht nur für die Beschäftigung mit der Geschichte, sondern auch für die Annäherung an heutige Lebensgeschichten. (Soziale Psychiatrie) Wenn Monika Ankele von ihren Studienobjekten erzählt, klingt das wie Filmstoff. In ihrer Dissertation hat sie Details aus dem Alltagsleben von Frauen in Psychiatrien von 1890 bis 1920 gesammelt und so das Leben der Internierten berührend nah kennengelernt. (Die Presse am Sonntag / Wissenschaft) |