Der Landauer Rabbiner Elias Grünebaum wurde zu seiner Studie über die gemeinsame jüdisch-christliche Vergangenheit durch das deutsch-jüdische Projekt einer pluralistischen Gesellschaft angeregt. In der systematischen kirchlichen Verunglimpfung des Judentums als gewissenlose Zeremonialreligion liegt für ihn die Wurzel aller Vorurteile gegenüber den Juden. Im Einspruch gegen das Pharisäerbild theologischer Lehrbücher beschreibt Grünebaum die Entfaltung universalethischer Prinzipien im biblischen und antiken Judentum sowie ihren prägenden Einfluss auf die Lehre Jesu. Daraus entsteht eine Genealogie der Moral, die den gleichberechtigten Anteil beider Religionen an den Werten Europas einfordert. Die im Kaiserreich aufgeflammte judenfeindliche Agitation veranlasste Grünebaum zu einer stark erweiterten Neuauflage seiner "Sittenlehre". Das Werk, dessen Textgeschichte die Edition transparent macht, bezeugt und kommentiert jene Dekade, in der christliche Talmudfeinde der Rassenideologie den Boden bereiteten. Links: http://www.deutsch-juedische-publizistik.de Elias Grünebaum Elias Grünebaum (geb. 1807 in Reipoltskirchen [Rheinland-Pfalz]; gest. 1893 in Landau) wurde seit 1814 von seinem Stiefvater, dem Kaufmann Isaac Felsenthal in Münchweiler/Alsenz erzogen. Nach dem Talmud-Studium in Mainz und Mannheim, sowie dem Abitur in Speyer studierte er an den Universitäten Bonn und München Philosophie und arabische Sprachen. Seine Rabbinatsprüfung legte er 1834 in Bayreuth ab. Nach einem Rabbinat im Fürstentum Birkenfeld erhielt er 1836 einen Ruf als Bezirksrabbiner nach Landau, wo er bis zum seinem Tod 1893 wirkte.
Dr. Carsten Wilke Carsten Wilke ist Mitarbeiter am Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte in Duisburg und Research Fellow am Center for Advanced Judaic Studies, University of Pennsylvania, Philadelphia. |